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Andreas Post, Tenor
Zuletzt aktualisiert am 13. Mai 2012
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Musik,
wie immer begrüße ich Sie recht herzlich auf meiner Internetseite.
Aus gegebenem Anlass möchte ich heute an dieser Stelle einige Worte zu zwei Kritiken verlieren, die sich mit meiner Interpretation der Evangelisten-Partie aus Bachs Johannes-Passion beschäftigen. Ich sehe mich der überaus bemerkenswerten Situation ausgesetzt, dass ich innerhalb von nur einer Woche eine überaus positive und eine völlig herablassende Kritik zu meiner Interpretation bekommen habe. Im ersten Fall eine Kritik zu dem Konzert vom 11. März in Würzburg von Katja Tschirwitz in der Main Post und im zweiten Fall eine Kritik zu dem Konzert vom 17. März in der Kölner Philharmonie von Gerhard Bauer im Kölner Stadtanzeiger. Es sagt viel über Herrn Bauer selbst aus, wenn er schreibt, dass ich “mit manchem Gefühlsausbruch verstörte”. Er gibt ja nur seine eigene, ganz persönliche Empfindung wieder. Es wundert mich, dass er offensichtlich ohne zu zögern davon ausgeht, dass diese zutiefst subjektive Empfindung seinerseits, einfach auf die Allgemeinheit übertragbar sei. Richtiger wäre es wohl gewesen, dass mein Vortrag ihn ganz persönlich verstört hat.
Ich bin ein Sänger, der sich voll und ganz einbringt in durchaus schonungsloser Weise. Das was ich singe und wie ich es singe BIN ich auch. Ich bin ein sehr ehrlicher Erzähler. Meine Gefühlsausbrüche basieren auf einem tiefen Glauben und ehrlichen Empfindungen. Auf keinen Fall bin ich ein “Nachrichtenerzähler, der nach der Kreuzigung zur Wetterkarte übergeht”. Wer etwas anderes von mir erwartet muss zwangsläufig enttäuscht werden. Wenn ich eine zutiefst verstörende Geschichte, die brutale Geschichte eines gemeinen Verrats und Mordes wiedergebe, dann kann und will ich nicht unbeteiligt bleiben. Es ist mir ein aus tiefstem Glauben herrührendes Anliegen zu verkünden, die Menschen zu berühren und Ihnen die Botschaft Gottes nahe zu bringen. Wie anders könnte das geschehen, als auf eine zutiefst emotionale und aufwühlende Weise, damit wir begreifen, was damals an Ungeheuerlichkeiten geschehen ist und wofür. Im Grunde ist die Bemerkung, ich würde durch Gefühlsausbrüche verstören ein Kompliment, denn es ist ja wirklich eine zutiefst verstörende Geschichte, die da erzählt wird.
Für die Interpretation von Musik gibt es nicht nur eine Lösung. Herr Bauer hat seine Wahrheit und wir haben unsere … „Was ist Wahrheit?“ … kann ich da nur Pilatus zitieren. Ich sehe mich, wie bereits oben erwähnt, in der äußerst bemerkenswerten Situation wieder, zwei völlig gegensätzliche Kritiken innerhalb nur einer Woche bekommen zu haben. HIER können sie die überaus positive Kritik von Katja Tschirwitz nachlesen, die in mir einen “unverschämt begabten Geschichtenerzähler sieht, gegen den die anderen Solisten zwangsläufig verblassen”. Um meine Art der Interpretation der Bachschen Evangelisten-Partien verstehen zu können, muss man sich öffen können, muss bereit sein, sich berühren zu lassen . Nur wer das kann, kann verstehen, warum ich so singe … nur der wird erkennen, dass nicht meine “Gefühlsausbrüche”, sondern die Geschichte selbst “verstört” … oder frei nach Antoine de Saint Exupéry: “Man hört nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Ohren unhörbar!” Frau Tschirwitz ist offensichtlich dazu fähig, auch mit dem Herzen zu hören. Herzlichen Dank dafür.
Ich freue mich darüber hinaus natürlich wie immer sehr, wenn Sie den Weg in eines meiner Konzerte finden sollten und verbleibe bis dahin mit einem lieben Gruß,
Ihr Andreas Post.
